Folge 10
| Von Sabina Altermatt um 01:03 | [ 2. Falsche Fragen ] |

In Gertruds Büro herrschte Chaos. Eine Aktenbeige war umgestürzt, ein paar Mappen zu Boden gesegelt. Ihre Fälle fügten sich in letzter Zeit nahtlos aneinander, zum Aufräumen kam sie nicht mehr.
Du solltest mehr an deinen Assistenten delegieren, hiess es immer wieder von Kollegenseite.
Aber schliesslich war ein Assistent nicht da, um aufzuräumen. Oder meinten die etwas anderes? Hatte sie ein Problem mit Delegieren? Musste sie immer alles selber machen, weil sie alles genauso haben wollte, wie sie es sich vorstellte?
Mia hatte sich auch schon beschwert, sie lasse ihr keinen Platz. Oder war es an der Zeit, dass Mia auszog?
Sie hob die Papiere auf und legte sie zurück auf den Tisch.
Auf dem Faxgerät lag der Bericht der Gerichtsmedizin. Kurz und bündig wie erwartet. Die Obduktion bestätigte den Befund: Andrea Aebischer war ertrunken. Man hatte Schädel, Brust und Bauch geöffnet und die Organe untersucht. Die Lungen waren stark gebläht, ein Hinweis auf Tod durch Ertrinken. Sonst hatte man nichts Auffälliges gefunden, ausser einer leicht vergrösserten Gebärmutter. Andrea Aebischer war schwanger, im dritten Monat.
Sonstige Verletzungen konnten keine festgestellt werden. Die Untersuchung des Urins auf die gängigsten Drogen und Medikamente war negativ.
Gertrud griff zum Hörer. «Haben Sie auch nach Einstichen gesucht?»
«Ja.»
«Und keine gefunden?» Gertrud war überrascht.
«Steht was von Einstichen in meinem Bericht?»
«Nein, sonst hätte ich Sie nicht angerufen.» Dieser Mann ging ihr langsam auf die Nerven.
«Eben.»
«Würden Sie bitte meine Frage beantworten? Wenn sie wollen, können Sie dies auch schriftlich tun. Per Fax.»
«Nein, Andrea Aebischer hatte keine Einstiche in ihrem Körper.» Der Gerichtsmediziner sprach langsam und betonte jedes Wort.
Gertrud hängte auf ohne sich zu verabschieden.
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