28.4.2006

Folge 47

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 10. Erste Verhaftung ]
Bernerhof
«Du siehst nicht gut aus.»
«Danke.»
«So hab ich es nicht gemeint.»
Der Bernerhof war beinahe leer.
Gertrud zündete sich eine Zigarette an.
«Ich hab das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben.»
Gian legte seine Hand auf die ihre, drückte sie.
Sie zog sie weg, holte tief Luft. «Sie haben Kerim verhaftet.»
«Mist. Aber es war eine Frage der Zeit.»
«Das hab ich Mia auch gesagt. Aber was nützt das schon.» Sie schaute sich nach einem Aschenbecher um, doch es war keiner da. «Kannst du dir vorstellen, wie das für zwei junge Menschen ist?»
«Was macht sie jetzt?» wollte Gian wissen, ohne auf ihre Frage einzugehen.
«Ich weiss es nicht. Noch ist er nicht ausgeschafft. Aber als Marokkaner hat er doch keine Chance.» Sie blickte ihn lange an. «Ich finde, die Leute sollten leben können, wo sie wollen und wie sie wollen.» Ein Stück Asche fiel auf den Tisch.
«Das sind ja ganz neue Töne.» Gian reichte ihr den Unterteller seiner Kaffeetasse. «Weisst du noch, wie du dich genervt, damals, als Erich nach Italien ging.»
«Vielleicht hatte er seine Gründe.»
«Ja, vielleicht. Und wie läuft dein Fall?»
Sie nahm einen tiefen Zug. «Ein Hennenkampf.»
«Bitte?»
«Zwei Frauen, die sich gegenseitig belasten.»
«Du erstaunst mich immer wieder.»
«Wir Frauen sind auch nicht besser.»
«Soso. Und wie gehst du damit um?»
«Abwarten.» Sie drückte die Zigarette aus. «Bis eine einen Fehler macht.»
Das Handy klingelte.
Mancini war dran. Sie müsse unbedingt ins Büro kommen. Es gäbe Neuigkeiten. Sicher wieder etwas ganz Belangloses, dachte Gertrud.
«Ich bezahle. Geh du nur», sagte Gian. Er stand ebenfalls auf und drückte sie an sich. Einen kurzen Moment zu lang.


27.4.2006

Folge 46

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 10. Erste Verhaftung ]
«Bitte Mia. Sprich mit mir. Was ist los? Ist was mit Kerim?» Sie legte ihr die Hand auf die Schulter.
«Ist was mit Kerim?» äffte Mia Gertrud nach, drehte sich um und schaute sie mit verheulten Augen an. «Klar ist was mit Kerim. Er ist weg. Jetzt frag nicht so blöd. Sie haben ihn festgenommen. Er wird ausgeschafft.»
«Ach, Mia. Es tut mir Leid.»
«Wir suchten einen Ort, wo es nicht nach Bratwürsten roch. Dann sind wir zum Kanzlei gegangen. Wie alle anderen auch, denen dieses Sechseläuten auf die Nerven geht. Und dann sind sie gekommen. Zu viert. Haben alle kontrolliert. Ich hab sie gefragt, ob sie immer noch den Böög suchen. Eine Antwort habe ich nicht gekriegt. Ich wollte sie ablenken. Kerim tat so, wie wenn er mal schnell aufs Klo wollte. Aber einer deiner lieben Kollegen ist ihm nachgegangen und hat ihn am Arm gepackt. Nicht so schnell, hat er gesagt. Den Kabelbinder hatte er auch gleich zur Hand. Kerim hatte keine Chance. Sie haben ihn abgeführt. Ich wollte mitgehen, aber sie haben mich nicht gelassen. Ich sei ja nicht verwandt und so.»
Gertrud schwieg.
«Und jetzt, sagst du nichts? Sonst hast du doch immer für alles eine Lösung.»
«Es tut mir Leid.»
«Das sagtest du bereits. Mir auch, so ne Scheisse. Es ist einfach nicht fair.» Sie schlug mit der Faust auf die Matratze.
«Ich kann dir nicht helfen. Versteh doch, es war eine Frage der Zeit bis sie ihn erwischen.»
«Das ganze Leben ist eine Frage der Zeit.» Mia setzte sich auf. «Du kennst doch diesen Polizeipräsidenten. Kannst du nicht mal mit dem sprechen?»
«Nein, das kann ich nicht. Das weisst du. Das sind die Gesetze. Da nützt es nichts, jemanden zu kennen.»
«So sauber ist unsere Schweiz auch nicht.»
«Bitte Mia, hör auf.»
«Ist doch wahr. Wenn es einmal zu meinem Vorteil wäre, dass meine Mutter Polizistin ist, dann bringt es nichts.»
«Wie meinst du das jetzt?»
«Glaubst du, es macht Spass, wenn die Mutter ständig irgendwelchen Durchgeknallten hinterher jagt? Glaubst du, es hat Papa Spass gemacht?»
«Er hat uns verlassen.»
«Eben.»


26.4.2006

Nervengift, Kapitel 9 - Starke Frauen

Von Sabina Altermatt um 02:03 [ Podcast ]
Nervengift als Hörbuch-Podcast. Gelesen von Oliver Mannel.

Podcast, Kapitel 9

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Folge 45

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 9. Starke Frauen ]
Sechseläuten
Gertrud war unzufrieden. Das Gespräch war nicht gut gelaufen. Sie hatte Marion Tobler zu sehr in die Ecke gedrängt. Hatte Mancini sie mit seiner direkten Fragerei angesteckt? Über Andrea Aebischer und ihre Beziehung zu ihr hatte sie natürlich nichts mehr erfahren.
Sie wusste nicht, was sie von den beiden Frauen halten sollte. Entweder war das eine Verschwörung oder eine wollte der anderen die Schuld in die Schuhe schieben. Gertrud tippte auf das zweite. Wieso mussten sich Frauen immer bekriegen? Wie diese beiden Regierungsrätinnen, die sich um das Tiefbauamt stritten. Bestand Emanzipation darin, dass Frauen die Freiheit hatten, sich gleich blöd wie Männer zu verhalten?
Wenn Lisa van der Meer gewusst hatte, dass Andrea schwanger war, wieso hatte sie dann diesen Zusammenbruch beim Verhör? Und wieso hatte Marion Tobler Frau van der Meer aufgesucht, wenn bezüglich Schwangerschaft alles klar geregelt und sie überzeugt war, dass van der Meer nichts mit Andreas Tod zu tun hatte? War, dass sie sich nicht bei der Polizei gemeldet hatte, nicht ein Indiz dafür, dass sie van der Meer für Andreas Tod verantwortlich machte und gegen ihn auf eigene Faust vorgehen wollte? Eine der beiden Frauen log. Und zwar gewaltig.
Auf dem Limmatplatz roch es nach Pferdeäpfeln. Richtig, heute wurde der Böög verbrannt. Oder vielmehr der Ersatzböög. Und deshalb war auch die Migros bereits zu. Dafür waren die umliegenden Cafés mit Sechseläuten-Flüchtigen gefüllt. Gertrud dachte an ihren leeren Kühlschrank Zuhause. Sie freute sich auf einen ruhigen Nachmittag. Die Schrebergärten hatten sie inspiriert. Sie könnte ein wenig im Garten arbeiten.

Sie hörte das Schluchzen schon von weitem. Es war Mia. Sie lag auf dem Bett mit rotem Gesicht und geschwollenen Augen.
«Aber Mia, was ist denn passiert?» Gertrud setzt sich neben sie und stricht ihr über die Haare.
«Lass mich!» schrie Mia, wehrte ihr Hand ab und drehte sich auf die andere Seite.


25.4.2006

Folge 44

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 9. Starke Frauen ]
«Und wie haben Sie es in Erinnerung?» fragte Gertrud Marion Tobler.
«Ich habe Frau van der Meer gesagt, dass Andrea schwanger war. Von ihrem Mann.»
Eine Hummel balancierte auf dem Rand von Gertruds Glas.
«Und was wollten Sie damit bezwecken?»
«Sie sollte wissen, mit was für einem Typen sie verheiratet ist.»
Die Hummel verlor das Gleichgewicht und kippte gegen den Innenrand.
«Ich glaube, dass es anders war. Sie haben van der Meer für den Tod von Andrea verantwortlich gemacht und ihn bei seiner Frau verpfiffen. Sie wollten Frau van der Meer aufstacheln. Als es nicht klappte, haben Sie ihn selber erschlagen.»
Das Insekt fiel in die Flüssigkeit.
«Sie meinen aber nicht etwa, Andrea habe sich umgebracht, weil sie von ihm ein Kind erwartete und er nicht dazu stand.» Sie lächelte und schüttelte gleichzeitig den Kopf. «Wir wollten das Kind zusammen aufziehen. Dazu braucht es keinen Mann.»
Das kleine Tier versuchte vergeblich, aus dem Wasser zu starten.
«Sie haben ihn als Samenspender benutzt?»
«Wieso nicht?»
Die Hummel drehte sich wild im Kreis.
«Andrea hat sich nicht umgebracht», sagte Gertrud.
«Das habe ich auch nicht behauptet.» Marion Tobler brach einen Zweig ab und fischte das Insekt heraus.
«Wieso haben Sie sich nicht bei der Polizei gemeldet?»
«Ich kenne niemanden, der freiwillig zu den Bullen geht.»
«So?»
«Ja.»
«Dafür haben Sie van der Meer eine in den Magen geboxt.»
«Das war ich nicht. Ich hätte weiter nach unten gezielt.»
Die Hummel sass eine Weile in der Sonne. Dann flog sie davon.



24.4.2006

Folge 43

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 9. Starke Frauen ]
Wiesenschaumkraut
Der Garten lag am Rand der Anlage. Er war nicht so herausgeputzt wie die anderen. Anstelle des Einheitsgrüns wuchs hier eine Blumenwiese mit Gänseblümchen, Primeln und lilafarbenem Wiesenschaumkraut. Auch fehlte die Fahne. Gertrud verstand nicht ganz, wieso die Leute den Patriotismus in ihren Schrebergärten auslebten. War dies das letzte Refugium für nationalistische Gefühle? Oder musste man sich vom anderen abgrenzen, weil man so dicht aufeinander war? Doch auf den meisten Flaggen war ohnehin das Schweizer Kreuz zu sehen, gefolgt von ein paar kantonalen Wappen und einigen wenigen Exoten wie der Stier auf feurig rotem Grund.
Die Frau kniete in der Erde. Sie trug ein ärmelloses Shirt und orange Hosen. Als sie Gertrud sah, stand sie auf und kam ihr entgegen. Sie reichte ihr den Ellenbogen zur Begrüssung und wischte mit dem Handrücken den Schweiss von der Stirn.
«Sie sind die Kommissarin.»
Gertrud schaute sie fragend an.
«Sie sind doch von der Polizei, oder? Eine Mitbewohnerin hat mich angerufen.» Sie drehte sich leicht und Gertrud sah das Handy, das hinten in ihrer Hosentasche steckte.
«Wollen wir uns nicht setzen?» Sie deutete auf eine kleine Pergola neben dem Holzhäuschen. «Ich wasch mir nur schnell die Hände.» Sie ging zum Brunnen, schöpfte mit beiden Händen Wasser, warf es sich ins Gesicht und über den Nacken. Dann tauchte sie beide Arme bis zu den Ellenbogen hinein. Ihre Bewegungen waren eckig und kräftig. Sie hatten etwas Jungenhaftes. Gertrud überlegte. Kurze schwarze Haare, burschikos. Das waren doch die Worte von Frau van der Meer.
«Den müssen Sie unbedingt versuchen. Ist noch vom letzten Jahr.» Marion Tobler stellte ihr ein Glas Holundersirup hin.
«Sie waren vor ein paar Tagen bei Frau van der Meer.» Die junge Frau nickte. «Und haben sie gefragt, ob sie wisse, dass ihr Mann mit Andrea Aebischer ein Verhältnis hatte und dass sie jetzt tot sei.»
«Hat Ihnen das Frau van der Meer erzählt?»
«Ja.»
«Interessant.»
«Wieso?»
«Ich habe es etwas anders in Erinnerung.»
Gertrud nahm einen grossen Schluck Sirup. Er schmeckte ausgezeichnet.


21.4.2006

Folge 42

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 9. Starke Frauen ]
Osterglocken
Marion Tobler wohnte an der Josefstrasse. Am Briefkasten waren neben M.Tobler noch weitere Namen angebracht, teilweise wieder durchgestrichen, überklebt. Eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm öffnete Gertrud die Tür.
Marion sei im Garten, sagte sie. Das Mädchen warf den Plüschhasen, den es in der Hand hielt, Gertrud vor die Füsse. Diese hob ihn auf und streckte dem Kind das Stofftier entgegen, doch es drehte den Kopf weg und vergrub ihn an der Schulter seiner Mutter.
Gertrud schaute sich um. Wo hatte es denn hier einen Garten? Etwa im Hinterhof?
Die Frau lachte. «Nein, nicht hier, im Juchhof, unserem Schrebergarten.»

Gertrud setzte sich in den letzten Wagen des 4-ers. Hinten lärmte ein Mann. Schrie irgendetwas von Lungenkrebs. Erst jetzt roch Gertrud den Zigarettenduft. Ein anderer stand rauchend am offenen Klappfenster.
Links von ihr sass eine Frau mit einem Mädchen und einem Jungen. Sie schien den beiden erklärt zu haben, wieso der Mann sich so aufregte. Eine Sitzbank hinter ihnen drehte eine junge Frau eine Zigarette. Das Mädchen hatte sich umgedreht und schaute ihr fasziniert zu. Wie sie den Tabak herauszupfte und vorsichtig aufs Papier krümelte.
«Schau nach vorn», herrschte die Mutter die Kleine an und widmete sich sogleich wieder deren Bruder auf ihrem Schoss. Es war nicht einfach, in dieser Stadt Kinder grosszuziehen, dachte Gertrud.
Zwei Schüler vor ihr unterhielten sich über den Böög-Diebstahl. Geil, fand es der eine. Gemein, der andere. Sie war froh, dass sie sich nicht auch noch darum kümmern musste. Das war Sache der Stadtpolizei.

Im Juchhof herrschte bereits reger Betrieb. Die einen tranken vor dem Vereinshaus Bier oder Rivella, andere sassen vor ihren Hütten und jassten. Die meisten Beete waren noch braun. Am Rand der Gärten blühten Osterglocken und Forsitien.
Gertrud blickte über die Anlage. Jeder hatte hier sein eigenes kleines Stück Freiheit, zwischen Autobahn und Kläranlage, umzäunt und von Securitas bewacht.


20.4.2006

Folge 41

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 9. Starke Frauen ]
Gertrud setzte sich an ihren Schreibtisch und versuchte, ruhig durchzuatmen. Paris schien ihr bereits weit entfernt. Oder noch schlimmer, sie fühlte sich, als wäre sie gar nie weg gewesen. Und dies nach einem einzigen Tag Polizeiarbeit.
Dieser Aebischer hatte ihr die Laune verdorben mit seinem Getue. Und ihre guten Vorsätze waren auch dahin. Sie bereute bereits, dass sie die Nikotinkaugummis weggeworfen hatte. Zum Glück lag die nächste Apotheke ganz in der Nähe.
Doch es waren nicht nur die Provokationen, die ihr zu schaffen machten. Vor allem die Unbeteiligtheit des Bruders hatte sie schockiert. Dass seine Schwester was mit einem Mann gehabt hatte, schien ihn mehr zu irritieren als ihr Tod. Gertrud hatte selber eine Schwester. Das war auch nicht immer einfach. Aber gerade so?
Sie suchte im Polizeicomputer nach Marion Tobler. Doch sie fand nichts. Nicht mal eine Parkbusse. Ein unbeschriebenes Blatt.
«Nehmen Sie mich mit?» Sie hatte Mancini gar nicht ins Büro kommen gehört. Er stellte eine Tasse Kaffe vor sie hin.
«Ich weiss nicht, ob das so gut wäre.»
«Ich würde mich zurückhalten, versprochen.» Die Art wie er sie anschaute, erinnerte sie an einen Hund.
«Ich denke, das ist besser von Frau zu Frau. Wenn sie die Freundin von Andrea Aebischer war, dann hat sie sicher einiges zu erzählen.»
Mancini sackte sichtlich in sich zusammen. «Und was ist nun mit Frau van der Meer? War sie es oder nicht?» versuchte er Gertrud in ein Gespräch zu verwickeln.
«Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht.» Sie schaltete den Computer ab.
«Übrigens, ich bin da an einem Seifenfabrikanten dran. Der stellt Seifen mit genau denselben Ölen her, die wir auf dem Mantel gefunden haben. Ich werd dem heute einen Besuch abstatten.»
«Das ist ja prima, Mancini. Tun sie das.»
Er wirkte wieder etwas grösser.
«Und nächstes Mal sind Sie wieder dabei.»
Mancini strahlte und Gertrud bedauerte sogleich ihre Worte.


19.4.2006

Nervengift, Kapitel 8 - Späte Einsicht

Von Sabina Altermatt um 02:03 [ Podcast ]
Nervengift als Hörbuch-Podcast. Gelesen von Oliver Mannel.

Podcast, Kapitel 8

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Folge 40

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 8. Späte Einsicht ]
Blüten
Der junge Mann sass rauchend auf dem Stuhl, das Gesäss nach vorne geschoben, ein Bein über das andere gelegt. Als sie hereinkam richtete er sich etwas auf.
«Seit wann darf man hier rauchen?» fragte Gertrud und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum.
«Das weiss ich doch nicht. Das sollten Sie besser ...»
«Gertrud Gut, Kantonspolizei.» Sie ging auf ihn zu und hielt ihm die Hand hin.
Er drückte sie zögerlich. «Hat sich jetzt auch noch der Kanton herbemüht? Zuerst die Stadt, dann der Kanton. Manchmal habe ich das Gefühl, ihr wisst selber nicht recht, wer wofür zuständig ist. Und vor lauter Chaos lassen sie einem hier sitzen, während die Polizisten Zuhause mit ihren lieben Kindern Eier suchen.» Er liess die Zigarette über seine Schulter nach hinten auf den Boden fallen.
Gertrud zählte bis drei. «Ich bin nicht von der Drogenfahndung.»
«Was Sie nicht sagen.»
«Herr Aebischer, ich bin wegen Ihrer Schwester hier.» Sie zog einen Stuhl heran und setzte sich. Er zog ein zerknautschtes Pack Zigaretten aus der Brusttasche seiner Jeansjacke und steckte sich eine an.
Gertrud blickte zum Fenster. Davor blühte ein japanischer Kirschbaum. «Ich nehme an, Sie wissen, dass sie tot ist.»
«Ja.»
«Wissen Sie auch, dass sie schwanger war?»
«Soll das ein Witz sein?»
«Nein.»
«Meine Schwester und Männer!»
«Da hab ich was anderes gehört.»
«Hören Sie, was Sie wollen. Andrea war mit Marion zusammen. Schon lange.»
«Marion wie viel?»
«Marion Tobler. Wollen Sie noch ihre AHV-Nummer?»
«Nicht nötig.»
«Kann ich jetzt gehen?»
«Und die Spritzen in Andreas Wohnung, die sind von Ihnen.»
«Ist es verboten, saubere Spritzen aufzubewahren?»
«Wie gesagt, ich interessiere mich nicht für Ihre Drogengeschäfte.»
«Das glauben Sie ja selber nicht. Einmal Polizist, überall Polizist. Euch geht es doch vor allem um die Moral. Der Rest interessiert gar nicht.»
«Darf ich Sie bitten?»
Sie hielt ihm die Türe auf.
Er ging an ihr vorbei und hielt ihr die bis zu Hälfte gerauchte Zigarette hin. «Draussen ist Rauchverbot.»
Gertrud nahm den Stummel, liess ihn zu Boden fallen und drückte ihn mit dem Schuh aus.


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