Folge 15
| Von Sabina Altermatt um 01:03 | [ 3. Kleine Missgeschicke ] |
Als Gertrud am nächsten Morgen das Sozialzentrum betrat, kam ihr Christiaan van der Meer entgegen. Er wirkte nervös. Auf dem Weg zu Andrea Aebischers Arbeitsplatz erzählte er, was passiert war: Er hatte die Informatikabteilung beauftragt, das Passwort zurückzusetzen. Doch aus noch nicht geklärten Gründen wurde der Auftrag falsch verstanden und der Account gelöscht. Somit waren alle Daten, inklusive Mail, die Andrea auf ihrem Computer gespeichert hatte, verloren. Für immer.
Dem Sozialzentrumsleiter schien das unsäglich Leid zu tun. Mit hängendem Kopf sass er auf Andrea Aebischers Schreibtisch und starrte auf sein Schuhe.
Gertrud verspürte beinahe Mitleid. Der Mann hatte seine ganze Souveränität verloren. Das, was ihn vorher so anziehend machte, wirkte jetzt gewöhnlich. Wie ein Schwan, der am Ufer herumwatschelte. Gertrud kam zum Schluss, dass es nicht an ihr war, ihn zu trösten. Im Gegenteil. Hatte man die Daten etwa absichtlich gelöscht? Doch sie erinnerte sich an die Zeit, als die Kriminalpolizei noch nicht beim Kanton sondern bei der Stadtverwaltung angesiedelt war. Da waren solche Missgeschicke an der Tagesordnung.
«Dann muss ich Sie bitten, mir wenigstens die Dossiers, die Andrea Aebischer betreut hat, auszuhändigen.»
«Das geht leider nicht. Die sind alle elektronisch gespeichert.»
«Jetzt sagen Sie nur nicht, dass diese auch ...»
«Ja, also nein, natürlich nicht. Die Klientendaten liegen auf einem zentralen Server. Ich kann Ihnen einen Computer zur Verfügung stellen und Sie können sich dann alle ...»
«Wie viele Fälle hat Frau Aebischer betreut?»
«Sie war eine der wenigen, die 100 Prozent angestellt sind, dann dürften es ...», er machte eine Pause und strich sich über das glatt rasierte Kinn, «... etwas über 100 sein. Sie können sie gerne hier einsehen.»
«Gut», sagte Gertrud Gut. «Aber vorher möchte ich mit Ihnen sprechen. Unter vier Augen.»
Dem Sozialzentrumsleiter schien das unsäglich Leid zu tun. Mit hängendem Kopf sass er auf Andrea Aebischers Schreibtisch und starrte auf sein Schuhe.
Gertrud verspürte beinahe Mitleid. Der Mann hatte seine ganze Souveränität verloren. Das, was ihn vorher so anziehend machte, wirkte jetzt gewöhnlich. Wie ein Schwan, der am Ufer herumwatschelte. Gertrud kam zum Schluss, dass es nicht an ihr war, ihn zu trösten. Im Gegenteil. Hatte man die Daten etwa absichtlich gelöscht? Doch sie erinnerte sich an die Zeit, als die Kriminalpolizei noch nicht beim Kanton sondern bei der Stadtverwaltung angesiedelt war. Da waren solche Missgeschicke an der Tagesordnung.
«Dann muss ich Sie bitten, mir wenigstens die Dossiers, die Andrea Aebischer betreut hat, auszuhändigen.»
«Das geht leider nicht. Die sind alle elektronisch gespeichert.»
«Jetzt sagen Sie nur nicht, dass diese auch ...»
«Ja, also nein, natürlich nicht. Die Klientendaten liegen auf einem zentralen Server. Ich kann Ihnen einen Computer zur Verfügung stellen und Sie können sich dann alle ...»
«Wie viele Fälle hat Frau Aebischer betreut?»
«Sie war eine der wenigen, die 100 Prozent angestellt sind, dann dürften es ...», er machte eine Pause und strich sich über das glatt rasierte Kinn, «... etwas über 100 sein. Sie können sie gerne hier einsehen.»
«Gut», sagte Gertrud Gut. «Aber vorher möchte ich mit Ihnen sprechen. Unter vier Augen.»
Kommentare
Dr. Watson @ Mrs. Marple
2006-03-10 07:49:48
Damned. Excuse my french, aber es ist eingetroffen, was ich befürchtet hatte. Und auf meinem Kaffee liegt ein "Hüütli", welches in mir ungute Erinnerung an riesige Tassen voller Zwangs-Ovomaltine weckt, die ich als Kind trinken musste.
An ein Versagen des Informatikers kann ich nicht ganz glauben. Und van der Meer kann der Kommissarin natürlich diejenigen Fälle zeigen, die er will. Könnte sich nicht ein "PC-Doktor" der Festplatte annehmen? In vielen Fällen lassen sich gelöschte Daten nämlich rekonstruieren.
Ansonsten gibt diese Episode nicht viele Indizien her, oder was meinst Du, Mrs. Marple?
2006-03-10 07:49:48
Damned. Excuse my french, aber es ist eingetroffen, was ich befürchtet hatte. Und auf meinem Kaffee liegt ein "Hüütli", welches in mir ungute Erinnerung an riesige Tassen voller Zwangs-Ovomaltine weckt, die ich als Kind trinken musste.
An ein Versagen des Informatikers kann ich nicht ganz glauben. Und van der Meer kann der Kommissarin natürlich diejenigen Fälle zeigen, die er will. Könnte sich nicht ein "PC-Doktor" der Festplatte annehmen? In vielen Fällen lassen sich gelöschte Daten nämlich rekonstruieren.
Ansonsten gibt diese Episode nicht viele Indizien her, oder was meinst Du, Mrs. Marple?
Martial
2006-03-10 09:27:45
Ich freue mich jeden Tag wieder eine Folge zu lesen. Jetzt ist aber das beste eingetroffen, man kann selbst den Fall steuern.
Doch ich glaube van der Meer ist der wahrscheinlichste "Täter", doch es könnte eine interessante Wendung im Fall geben wenn es der Unbekannte war.
Am Montag werden wir es sehen.
2006-03-10 09:27:45
Ich freue mich jeden Tag wieder eine Folge zu lesen. Jetzt ist aber das beste eingetroffen, man kann selbst den Fall steuern.
Doch ich glaube van der Meer ist der wahrscheinlichste "Täter", doch es könnte eine interessante Wendung im Fall geben wenn es der Unbekannte war.
Am Montag werden wir es sehen.
Tobi
2006-03-10 09:51:31
Die Grundidee einen Krimi auf täglicher Basis, Weltklasse :)
Das die Leser jetzt auch noch die Möglichkeit bekommen mitzubestimmen finde ich einerseits super, andererseits hoffe ich dass dadurch nicht die Story 'beschädigt' wird.
Allerdings stellt sich bei mir die Frage ob da (im Sozialzentrum) keine Backups gemacht wurden? Meines Wissens nach besteht in der Schweiz auch für elektronische Daten (speziell im 'Firmen'umfeld) eine Datenaufbewahrungspflicht.
Trotzdem, weiter so :)
Greetings
2006-03-10 09:51:31
Die Grundidee einen Krimi auf täglicher Basis, Weltklasse :)
Das die Leser jetzt auch noch die Möglichkeit bekommen mitzubestimmen finde ich einerseits super, andererseits hoffe ich dass dadurch nicht die Story 'beschädigt' wird.
Allerdings stellt sich bei mir die Frage ob da (im Sozialzentrum) keine Backups gemacht wurden? Meines Wissens nach besteht in der Schweiz auch für elektronische Daten (speziell im 'Firmen'umfeld) eine Datenaufbewahrungspflicht.
Trotzdem, weiter so :)
Greetings
j.m.
2006-03-10 11:55:01
@Dr. Watson
Keine Spekulationen heute. Wenn ich selbst bestimmen kann, wer die Daten gelöscht hat, macht es mir keinen Spass mehr. Das ist dann wie eine Manipulation in der Vergangenheit der Geschichte. -Denn wer die Daten gelöscht hat, muss ein Motiv dafür haben. Es widerstrebt mir, dass Motive nach der Tat konstruiert werden. *schmoll*
Und die sollen endlich mal den Zürisack und den Mantel untersuchen. Ich kann so nicht arbeiten. ;-)
Es grüsst, Miss Marple
2006-03-10 11:55:01
@Dr. Watson
Keine Spekulationen heute. Wenn ich selbst bestimmen kann, wer die Daten gelöscht hat, macht es mir keinen Spass mehr. Das ist dann wie eine Manipulation in der Vergangenheit der Geschichte. -Denn wer die Daten gelöscht hat, muss ein Motiv dafür haben. Es widerstrebt mir, dass Motive nach der Tat konstruiert werden. *schmoll*
Und die sollen endlich mal den Zürisack und den Mantel untersuchen. Ich kann so nicht arbeiten. ;-)
Es grüsst, Miss Marple
Krämer Jürg
-
uhz1 [at] gmx.ch
-
http://www.userlearn.ch
2006-03-10 13:55:35
Unter WIKI Datensicherheit mehr Infos für Interessierte. Wer den Krimi im Unterricht einsetzen will, findet auf dem userlearn.ch blog didaktische Materialien
2006-03-10 13:55:35
Unter WIKI Datensicherheit mehr Infos für Interessierte. Wer den Krimi im Unterricht einsetzen will, findet auf dem userlearn.ch blog didaktische Materialien
BH @ j.m.
2006-03-10 15:51:05
Du kannst Dich ja der Stimme enthalten und es so sehen, dass die gesamte Leserschaft dieser Geschichte und nicht nur deren Autorin Schicksal spielen und in der Vergangenheit rumfingern können. So eine Art geistige Zeitmaschine, auch ganz interessant... Trotz nicht gerade viel versprechendem Wetterbericht ein schönes Wochenende!
2006-03-10 15:51:05
Du kannst Dich ja der Stimme enthalten und es so sehen, dass die gesamte Leserschaft dieser Geschichte und nicht nur deren Autorin Schicksal spielen und in der Vergangenheit rumfingern können. So eine Art geistige Zeitmaschine, auch ganz interessant... Trotz nicht gerade viel versprechendem Wetterbericht ein schönes Wochenende!
Mr. M.
-
neffm [at] comcast.net
2006-03-10 16:33:23
Das war wohl vorzusehen. Die Entschuldigung habe ich -zig mal gehoert.
However, jedes Rechenzentrum (vor allem in in good old Helvetia) macht wahrscheinlich eine naechtliche "Backup Kopie" von allen Festplatten, das schliesst den E-mail Server ein. Gerichtsfaelle von Parmalat, Microsoft, und Enron sind beste Beispiele.
Was den lokalen Computer anbetrifft, Mr. Watson's Tip ist richtig. Ein "PC-Doktor" wird hoechstwahrscheinlich in der Lage sein die Daten zu rekonstruieren.
So -- nach guter CSI-Methode muss das IT-Netzwerk, inklusive aller angeschlossenen PCs von einem IT-Detective analysiert werden.
Warum hat Gertrud Herrn Van der Meer nicht nach dem Angreiffer gefragt?
Mr. M.
2006-03-10 16:33:23
Das war wohl vorzusehen. Die Entschuldigung habe ich -zig mal gehoert.
However, jedes Rechenzentrum (vor allem in in good old Helvetia) macht wahrscheinlich eine naechtliche "Backup Kopie" von allen Festplatten, das schliesst den E-mail Server ein. Gerichtsfaelle von Parmalat, Microsoft, und Enron sind beste Beispiele.
Was den lokalen Computer anbetrifft, Mr. Watson's Tip ist richtig. Ein "PC-Doktor" wird hoechstwahrscheinlich in der Lage sein die Daten zu rekonstruieren.
So -- nach guter CSI-Methode muss das IT-Netzwerk, inklusive aller angeschlossenen PCs von einem IT-Detective analysiert werden.
Warum hat Gertrud Herrn Van der Meer nicht nach dem Angreiffer gefragt?
Mr. M.
Martina
2006-03-11 16:52:15
also jetzt stinkt's mir endgültig. nicht nur, dass täglich viel zu wenig text geschaltet wird, um mein interesse wach zu halten. jetzt zeigt die wahlmöglichkeit des weiteren fortgangs, dass die geschichte weder überlegt noch strategisch durchdacht ist. so ein do-it-yourself-räubermärchen tisch ich nicht mal ungestraft meiner 2 jährigen tochter auf.
ich meine: wenn die spontanen reaktionen von lesern noch spannender sind als die täglich frisch aus den fingern gesogenen/gelutschten 2o zeiler, wend ich mich lieber den basler-schnitzelbänken zu...
ich verabschiede mich
MSt
2006-03-11 16:52:15
also jetzt stinkt's mir endgültig. nicht nur, dass täglich viel zu wenig text geschaltet wird, um mein interesse wach zu halten. jetzt zeigt die wahlmöglichkeit des weiteren fortgangs, dass die geschichte weder überlegt noch strategisch durchdacht ist. so ein do-it-yourself-räubermärchen tisch ich nicht mal ungestraft meiner 2 jährigen tochter auf.
ich meine: wenn die spontanen reaktionen von lesern noch spannender sind als die täglich frisch aus den fingern gesogenen/gelutschten 2o zeiler, wend ich mich lieber den basler-schnitzelbänken zu...
ich verabschiede mich
MSt
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