Folge 40
| Von Sabina Altermatt um 00:03 | [ 8. Späte Einsicht ] |

Der junge Mann sass rauchend auf dem Stuhl, das Gesäss nach vorne geschoben, ein Bein über das andere gelegt. Als sie hereinkam richtete er sich etwas auf.
«Seit wann darf man hier rauchen?» fragte Gertrud und wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum.
«Das weiss ich doch nicht. Das sollten Sie besser ...»
«Gertrud Gut, Kantonspolizei.» Sie ging auf ihn zu und hielt ihm die Hand hin.
Er drückte sie zögerlich. «Hat sich jetzt auch noch der Kanton herbemüht? Zuerst die Stadt, dann der Kanton. Manchmal habe ich das Gefühl, ihr wisst selber nicht recht, wer wofür zuständig ist. Und vor lauter Chaos lassen sie einem hier sitzen, während die Polizisten Zuhause mit ihren lieben Kindern Eier suchen.» Er liess die Zigarette über seine Schulter nach hinten auf den Boden fallen.
Gertrud zählte bis drei. «Ich bin nicht von der Drogenfahndung.»
«Was Sie nicht sagen.»
«Herr Aebischer, ich bin wegen Ihrer Schwester hier.» Sie zog einen Stuhl heran und setzte sich. Er zog ein zerknautschtes Pack Zigaretten aus der Brusttasche seiner Jeansjacke und steckte sich eine an.
Gertrud blickte zum Fenster. Davor blühte ein japanischer Kirschbaum. «Ich nehme an, Sie wissen, dass sie tot ist.»
«Ja.»
«Wissen Sie auch, dass sie schwanger war?»
«Soll das ein Witz sein?»
«Nein.»
«Meine Schwester und Männer!»
«Da hab ich was anderes gehört.»
«Hören Sie, was Sie wollen. Andrea war mit Marion zusammen. Schon lange.»
«Marion wie viel?»
«Marion Tobler. Wollen Sie noch ihre AHV-Nummer?»
«Nicht nötig.»
«Kann ich jetzt gehen?»
«Und die Spritzen in Andreas Wohnung, die sind von Ihnen.»
«Ist es verboten, saubere Spritzen aufzubewahren?»
«Wie gesagt, ich interessiere mich nicht für Ihre Drogengeschäfte.»
«Das glauben Sie ja selber nicht. Einmal Polizist, überall Polizist. Euch geht es doch vor allem um die Moral. Der Rest interessiert gar nicht.»
«Darf ich Sie bitten?»
Sie hielt ihm die Türe auf.
Er ging an ihr vorbei und hielt ihr die bis zu Hälfte gerauchte Zigarette hin. «Draussen ist Rauchverbot.»
Gertrud nahm den Stummel, liess ihn zu Boden fallen und drückte ihn mit dem Schuh aus.
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