Folge 45
| Von Sabina Altermatt um 00:03 | [ 9. Starke Frauen ] |

Gertrud war unzufrieden. Das Gespräch war nicht gut gelaufen. Sie hatte Marion Tobler zu sehr in die Ecke gedrängt. Hatte Mancini sie mit seiner direkten Fragerei angesteckt? Über Andrea Aebischer und ihre Beziehung zu ihr hatte sie natürlich nichts mehr erfahren.
Sie wusste nicht, was sie von den beiden Frauen halten sollte. Entweder war das eine Verschwörung oder eine wollte der anderen die Schuld in die Schuhe schieben. Gertrud tippte auf das zweite. Wieso mussten sich Frauen immer bekriegen? Wie diese beiden Regierungsrätinnen, die sich um das Tiefbauamt stritten. Bestand Emanzipation darin, dass Frauen die Freiheit hatten, sich gleich blöd wie Männer zu verhalten?
Wenn Lisa van der Meer gewusst hatte, dass Andrea schwanger war, wieso hatte sie dann diesen Zusammenbruch beim Verhör? Und wieso hatte Marion Tobler Frau van der Meer aufgesucht, wenn bezüglich Schwangerschaft alles klar geregelt und sie überzeugt war, dass van der Meer nichts mit Andreas Tod zu tun hatte? War, dass sie sich nicht bei der Polizei gemeldet hatte, nicht ein Indiz dafür, dass sie van der Meer für Andreas Tod verantwortlich machte und gegen ihn auf eigene Faust vorgehen wollte? Eine der beiden Frauen log. Und zwar gewaltig.
Auf dem Limmatplatz roch es nach Pferdeäpfeln. Richtig, heute wurde der Böög verbrannt. Oder vielmehr der Ersatzböög. Und deshalb war auch die Migros bereits zu. Dafür waren die umliegenden Cafés mit Sechseläuten-Flüchtigen gefüllt. Gertrud dachte an ihren leeren Kühlschrank Zuhause. Sie freute sich auf einen ruhigen Nachmittag. Die Schrebergärten hatten sie inspiriert. Sie könnte ein wenig im Garten arbeiten.
Sie hörte das Schluchzen schon von weitem. Es war Mia. Sie lag auf dem Bett mit rotem Gesicht und geschwollenen Augen.
«Aber Mia, was ist denn passiert?» Gertrud setzt sich neben sie und stricht ihr über die Haare.
«Lass mich!» schrie Mia, wehrte ihr Hand ab und drehte sich auf die andere Seite.
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