10.5.2006

Folge 55

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 11. Leere Worte ]
«Es gibt keine Gesprächsnotizen, weil sie Frau Aebischer gelöscht hat», fuhr Marita Klein fort.
«Wieso hat sie das gemacht?» wollte Gertrud wissen.
«Ich habe sie darum gebeten.»
«Und wieso?»
«Sie haben mir gedroht.» Marita Klein sprach stockend. Sie setzte die Worte vorsichtig, als ginge sie über eine Eisfläche und wüsste nicht, ob sie trägt.
«Wer hat Ihnen gedroht?»
«Die von der Klinik.»
«Welche Klinik?»
«Eine Privatklinik. Rosenhügel. Ich habe etwas unterschrieben. Eine Vereinbarung mit Schweigepflicht. Und wenn ich die nicht einhalte, muss ich 10'000 Franken Busse bezahlen.»
Gertrud konnte der Frau nicht folgen. «Was genau haben Sie Frau Aebischer erzählt, was sie nicht schreiben durfte oder vielmehr wieder löschen musste?»
Frau Klein atmete tief durch. Wie jemand, der eine längere Strecke tauchen wollte.
«Es war vor ein paar Monaten. Ich habe im Tagblatt ein Inserat gesehen. Da wurden Probandinnen gesucht. Für einen Test. Ein Anti-Aging-Mittel. Progladis. Es soll die gleiche Wirkung haben wie Botox (PDF, 48 KB). Aber von Dauer sein.»
Gertrud erinnerte sich an das Plakat im Tram. Wie hiess das noch? Schöner werden und dabei Geld verdienen? Oder hiess es jünger werden?
«Und das haben Sie Frau Aebischer erzählt?»
Marita Klein ging nicht auf Gertruds Frage ein. «Zuerst lief alles gut. Nur ein Augenlid hing leicht herunter.» Sie schien erleichtert, sprach wieder schneller. «Doch mit der Zeit hatte ich Lähmungserscheinungen, konnte die Oberlippe nicht mehr bewegen. Und am Schluss fast nicht mehr sprechen.»
«Und warum haben Sie die Behandlung nicht abgebrochen?»
«Ich hab mich beschwert, aber die meinten, das brauche seine Zeit. Und ich müsse die Versuchsreihe zu Ende machen, sonst bekäme ich kein Geld.»
«Wie viel war das?»
«3000 Franken für die erste stationäre Behandlung und dann je 900 Franken für die ambulanten Nachbehandlungen. Man musste sich für mindestens zwei Jahre verpflichten. Ich habe das Geld dringend gebraucht.»
«Sie müssen sich nicht entschuldigen.»
«Dann wollte Frau Aebischer wissen, was eigentlich los ist. Richtig wütend geworden ist sie, als ich es ihr erzählte. Wollte sofort in die Klinik mitkommen. Sagte, ich müsse zur Polizei gehen. Aber das konnte ich nicht.»
«Wissen Sie, ob Frau Aebischer etwas unternommen hat?»
«Nein. Ich hab sie gebeten, die Notizen, die sie über unsere Gespräche gemacht hat, zu löschen. Das war alles.»
«Haben Sie Frau Aebischer gegenüber den Namen der Klinik genannt?»
«Kann sein. Ich weiss es nicht mehr.»


Kommentare

Columbo
2006-05-10 04:51:43

So so, da waren unsere gestrigen wilden Spekulationen also gar nicht mal so daneben. Congrats, scher Hercule, für die geniale Eingebung mit den Medi – Versuchen; sieht mir ganz nach einem Volltreffer aus.

So langsam lichtet sich also der Nebel, so langsam rutschen die Puzzleteile in die richtigen Positionen. Wir wissen, dass Andrea sehr am Wohlergehen ihrer Kunden interessiert war und sich sehr für sie eingesetzt hat. Ist ihr vielleicht Marita's Schicksal, der von der bösen, gierigen Privatklinik so übel mitgespielt wurde, etwas gar nahe gegangen? Wollte sie etwa, aus von fehlgeleitetem Mitleid geschürtem Übereifer, als Amateur – Undercover-Ermittlerin im Rosenhügel selbst herausfinden, was Sache ist? Das würde sicherlich das Buch in ihrer Wohnung erklären; wenn sie als angebliche Kundin in der Privatklinik aufkreuzt, müsste sie ja glaubhaft erklären, was für eine Behandlung sie sich denn wünschte.

Das bedeutendste Wort in diesem Scenario wäre natürlich Amateur - Ermittlerin. Es kam nämlich, wie's kommen musste; die arme Andrea hat sich durch einen dummen Fehler verraten oder sogar das Klinik – Management zur Rede gestellt, ohne an die eigene Sicherheit zu denken.

Nun geht's in solchen Privatkliniken ja oft recht nobel zu, was gewiss den handgenähten Mantel erklären würde. Und dann spielen die dunklen Gestalten des Rosenhügels auch noch mit muskellähmenden Substanzen herum. Also in mir keimt der Verdacht, unsere vor einiger Zeit geäusserte These, dass irgend ein schlecht nachweisbares Gift die Atemmuskulatur von Andrea gelähmt hat, so dass aus einem entspannenden Bad eine tödliche Falle wurde, war gar nicht so aus der Luft gegriffen. Jetzt möchte ich aber definitiv vom Labor wissen, ob denn in Andrea's Lungen wirklich Seewasser gefunden wurde, oder vielleicht eher Wasser mit Chlorgehalt, wie es, sagen wir mal, im Swimmingpool einer Luxusklinik vorkommt. Jetzt fragt sich nur noch, wie das Gift in Andrea's Körper kam; Einstiche gab's ja bekanntlich keine. Es muss auf jeden Fall ganz subtil und von Andrea unbemerkt passiert sein, sonst wäre sie ja wohl anschliessent nicht einfach so ins Bad gestiegen. Vielleicht mit einem feinen Drink, als kleine Aufmerksamkeit des Hauses? Und von Marita wissen wir, dass ihre Lähmungserscheinungen erst mit der Zeit auftraten; womit die Gift – Aufnahme durchaus einige Zeit vor dem verhängnisvollen Bad erfolgt sein dürfte.

Und das alles, weil Marita Klein der gutherzigen Andrea so leid tat. Ja ja, es bleibt eben keine gute Tat ungestraft.

All dies konnte Marion natürlich nicht wissen; für sie war Christiaan der einzige in Frage kommende Mörder. Also hat sie ihm ganz handfest gezeigt, was sie von ihm hält, und wer weiss, vielleicht später nochmal im Büro besucht ... (Sorry, mein lieber Hercule, aber so ganz vom Haken ist sie bei mir noch nicht).

Oder aber für Lisa VdM war das Verhältnis ihres Gatten zu Andrea doch nicht ganz so leicht zu verdauen, wie sie uns glauben machen wollte, und der unmittelbar bevorstehende DNA Test stellt eine einwandfreie Verbindung von ihr zur Mörder – Kapuzenjacke her.

Jetzt warte ich nur noch auf Sandro's Anruf, der uns sagt, dass eine gewisse Klinik Rosenhügel Unmengen von dem Badeöl, das auf Andrea's Mantel gefunden wurde, gekauft hatte.



Columbo
2006-05-10 06:19:39

Hoppla, jetzt ist mir doch fast die Zigarre aus dem Mundwinkel gefallen – Sind in der Innerschweiz etwa schon Nachahme – Täter am Werk? Eine leicht bekleidete Frauenleiche im Wasser, allem Anschein nach ertrunken; und einen Kopp haben sie auch – wieso kommt mir das irgendwie bekannt vor? Würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn unsere Frau Kommissarin nach zweifellos erfolgreichem Abschluss unseres Falls von den Kollegen der luzerner KaPo als externe Beraterin zugezogen würde. Oder dem Sandro flattert ein unwiderstehliches Stellenangebot aufs Pult.

Hercule Poirot
2006-05-10 07:52:38

Danke für eure Blumen mein lieber Columbo. Iregendwie meine ich mich zu erinnern, auch schon mal in einem früheren Kapitel Botox in meine Überlegungen miteinbezogen zu haben. Nun ja, wir werden es sehen.

Ja, mit Marion könntet ihr leider recht haben. Muss aber nicht so sein. Wass wäre denn, wenn der vdM von der Klinik Rosenhügel wusste? Was, wenn er als Vermittler von mittellosen Probanden fungierte und so sein Einkommen noch etwas aufstockte? Was, wenn die Betreiber des Rosenhügel vdM als Gefahr für ihr betuchtes Unternehmen erkannten und ihn aus dem Weg räumen mussten? Was, wenn sie ihm einfach gegen ein paar 1'000er mehr eine/n Probandin/en vorbei schickten mit dem Auftrag mal zünftig auf den Putz zu hauen, dieser blöderweise nicht richtig zuhörte und si zünftig auf den Kopf haute?
Fragen über Fragen, aber so ein richtiges Motiv würde ich tatsächlich nur bei der Lisa und der Marion erkennen.

Ich wünsche allerseits einen kurzweiligen Tag

Hercule Poirot
2006-05-10 09:34:33

Mon diö: isch mache mir Sorgen und möschte eine Vermisstenanzeige aufgeben:
Wo blos bleiben Dr. Watson, Lucky Magenta, Monk, Gibbs, Miss Marple und all die Anderen? Haben es nur wir zwei ins Finale geschafft lieber Columbo?

Haben denn all unsere Spürnasenfreunde tiefe Falten im Gesicht und Schwierigkeiten bezüglich der Höhe Ihrer Altersrenten, so dass sie sich in die Klinik Rosenhügel genötigt fühlten? Dann schwimmen dieses Jahr im Zürichsee nicht nur H5N1-Vögel, sondern auch noch ein paar gefiederlose Progradis-Wasserleichen.

Dass kann ja heiss werden

Columbo
2006-05-10 11:04:18

Ganz so schlimm scheint's glücklicherweise nischt zu sein, mon amii; aber ich geb zu, ich hab mir zwischendurch auch Sorgen gemacht. Immerhin kann ich aber berichten, dass der gute Monk gestern noch einen geradezu genialen Geistesblitz mit uns geteilt hat; spät zwar, aber immerhin. Und Dear Watson ist inzwischen in Sabina's Blog aufgetaucht und lässt uns wissen, dass er zur Zeit zwar bis über beide Ohren in anderen "Fällen" steckt, wir aber in der zweifellos heissen Endphase fest auf seine kompetente Unterstützung zählen dürfen. Und ich hatte schon gedacht, er sei einfach müde vom Fluchttunnel buddeln und verstecke sich jetzt mit dem befreiten Kerim in Marion's Gartenschopf.

Apropopopos Blog: Allen, die nicht so regelmässig in Sabina's "persönlichem Tagebuch" vorbeischauen, sei hiermit noch kund getan, dass es Grund zum Gratulieren gibt.

Wenn jetzt noch Gibbs wieder zu uns stösst, Lucky Magenta uns wieder findet, und all die anderen sich mal wieder melden, haben die bösen Killer, ob dunkle Pharma – Gestalten oder eifersüchtige Damen, keine Chance.


SchönePost - design [at] zeigraum.de
2006-05-10 14:10:34

Wusste nicht, dass Mancini auch schreibt ausser den tollpatschigen Assistenten von Getrud zu mimen:
Hat jetzt *Mancini* doch noch bevor Sabina ihr 2. Buch erscheinen lässt, sein Buch -Krimi rausgebracht?
Zu sehen auf dem Nervengift-Blogg rechts ist ein kleines Banner neben dem grossen vertikalen Banner der Seite mit dem Versuch von Mancini, werbewirksam zu sein.

übrigens gratulier zur Nomination zur Auszeichnung der goldigen Maus der *bloggers* in der Schweiz.
hab zwar noch nicht ganz begriffen was Mäuse mit bloggern gemeinsam haben, aber ich wünsche Sabina toi toi toi...

Columbo
2006-05-10 14:29:18

Gute Beobachtungsgabe, SchönePost – ist mir noch gar nicht aufgefallen mit Mancini's Nebenbeschäftigung (Ich bin schon halb Experte in "Werbung mental ausblenden"). Na ja, der Mann muss ja auch schauen, wie er zu Ruhm und Ehre kommt, wenn ihn die Chefin schon so völlig unterschätzt im Büro versauern lässt.

Computer --> Maus --> Blog

Hercule Poirot
2006-05-10 14:46:30

Und gleichzeitig wissen wir jetzt auch, wass der junge Assistent so den ganzen Tag an seinem Schreibtisch macht. Offensichtlich sehr produktiv!

Danke für den Hinweis "schönepost"

genannt Monk
2006-05-10 15:24:35

selbstoffenbarung ist anscheinend angesagt: die ganze geschichte mit den abverheiten versuchen, der not, wegen geld mitzumachen, ohne zu hinterfragen, die drohungen und die macht des geldes ist für mich so realistisch und aus dem leben gegriffen, dass ich es beim besten willen nicht schaffe, ein paar lockere sprüche und ein paar an den haaren herbeigezogene verdächtigungen vom stapel zu lassen.
tut mir leid, liebe spürnasen-freunde - monk hat für einen moment sein pseudonym 'vernuschet' und nagt an weltschmerz oder ähnlich

Lucky Magenta
2006-05-10 18:07:57

Hallo ihr Lieben!
Kein Grund zur Sorge, ich war im Stillen immer bei euch und habe eure comments mit dem grössten Vergnügen verfolgt. Ich freue mich, dass ihr mich nicht ganz vergessen habt und doch ein klein Bisschen vermisst. Ich wollte euch nicht mit unbedeutenden Ausführungen meinerseits langweilen, da ich leider weder über euren detektivischen Spürsinn, noch über eure unerschöpfliche Fantasie verfüge. Insbesondere über Monks Theorie von der Killerhummel amüsierte ich mich köstlich und meine Anmeldung zum Lachseminar fand definitv den Weg in den Papierkorb. Ich danke euch, ihr alle erheitert meinen Tag ganz ungemein! Ich bin schon dermassen infiziert, dass ich ZUERST die comments und DANACH erst den Krimi lese. Da stimmt doch irgendetwas nicht? Ach, wie werde ich euch vermissen!
Love you all, Kisses, euer treues Groupie Lucky Magenta

Ralph - ralph.oertli [at] hispeed.ch
2006-05-10 22:41:00

Hallo Spürnasen,

auch mich gibt es noch und habe wie die geehrte Lucky Magenta aus dem Hintergrund weitergearbeitet. Es ist schon so, dass ich nichts neues hinzuzufügen hätte, da ihr schon alle Hinweise auf die kleinsten Ungereimtheiten hin untersucht habt.

Auch ich habe mich (in einer "Nichts-Neues-Zeit" des Krimis) über die Idee mit der Killerhummel amüsiert.

Der grösste Stress erhalte ich nun dadurch, dass in meinem Geschäft die Site gesperrt wurde. Ich kann also nur von zu Hause aus (und das erst am Abend, da ich morgens nicht der fiteste bin) den Krimi lesen. Das frustet doch sehr, da es jetzt ja mit riesen Schritte gegen Finale geht. Na ja, genug gejammert...

Was mich bezüglich Entledigung nicht-mehr-atmender Körper noch stutzig macht: Kann eine Privatklinik eine Leiche nicht anderswie entsorgen als im schon zur genüge belasteten Zürisee? (Habe ich mich jetzt zuweit vorgewagt? Ist die Wasserqualität nicht sogar gut? Hmm, mal googeln) Ich denke, dass die ohne weiteres die Leiche in einer Verbrennung fachgerecht "entsorgen" könnten, auch ohne grosses Aufsehen zu erregen. Kurz mal ein Totenschein ausfüllen und ab ins ... (Hagenholz?)

Mit freundlichem Gruss
Ralph (Inspektor Gadet?)

Inspektor Fox - GeoFox [at] gmx.ch
2006-05-10 23:22:44

Guten Abend!

Ihr glaubt alles, was die liebe Marita der Gertrud und uns erzählt. Könnte es nicht sein, dass sie ihre Geschichte ganz erfunden hat oder wenigsten gut ausschmückt (z. B. diese Vereinbarung mit Konventionalstrafe)?

Liebe Grüsse bis morgen
Euer Insp. G. Fox

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