10.4.2006

Folge 36

Von Sabina Altermatt um 00:03 [ 8. Späte Einsicht ]
Frau van der Meer war auch am nächsten Tag nicht vernehmungsfähig. Sie wurde zur weiteren Überwachung ins Burghölzli gebracht.
Gertrud behagte diese Entwicklung ganz und gar nicht. War der Zusammenbruch ein Geständnis oder im Gegenteil der Beweis, dass sie nichts von der Schwangerschaft gewusst hatte und demzufolge auch nicht als Täterin in Frage kam? Sie versuchte, den Fall Schritt für Schritt durchzugehen, doch die Gedanken glitten durch ihren Kopf wie wenn da jemand Schmierseife ausgeleert hätte. Sie spürte den schweren Rotwein, den es am Vorabend zum Couscous gegeben hatte. War wirklich ein netter Kerl, dieser Kerim. Er tat ihrer Tochter gut. Wieso musste auch alles immer so kompliziert sein.
Sie bestellte ein Mineralwasser. Gian war wieder mal zu spät. Was er sich als Polizeichef leisten konnte. Sie schaute zum Fenster des Bernerhofs hinaus und beobachtete eine Gruppe von Schülern, die vor der Kantonspolizei herumlungerten. Die wollten sicher ins Kriminalmuseum. Und dann war da noch ein Fotograf, der eine Frau und einen Mann ablichtete. Scheinbar musste der Schriftzug Kantonspolizei mit aufs Foto. Komische Idee. Wie Touristen sahen die jedenfalls nicht aus.
Endlich betrat Gian das Restaurant. Er bestellt einen Espresso.
Sie kam gleich auf den Punkt, kaum hatte er sich gesetzt. «Gian, ich möchte den Fall abgeben.»
«Wie bitte?» Er stellt die Tasse wieder ab, ohne einen Schluck Kaffee genommen zu haben.
«Wir haben ja bereits darüber gesprochen. Als ich mich vor ein paar Tagen zu sehr auf diesen van der Meer einschoss. Und nun ist es wegen seiner betrogenen Frau. Ich kann sie gut verstehen. Zu gut.»
«Was noch lange nicht heisst, dass sie die Mörderin ist.»
«Es geht mir zu nah. Ich bin voreingenommen, parteiisch, verhalte mich unprofessionell.»
Gian schaute sie eine Weile an. «Du brauchst Ferien. Ich schlage vor, du fährst über Ostern weg, erholst dich ein paar Tage und bekommst etwas Abstand. So lange Frau van der Meer nicht ansprechbar ist, können wir sowieso nichts weiter unternehmen.» Und dass du mit dem Thema vertraut bist, das ist nicht nur schlecht.»
«Kommst du mit?»
Er schaute sie leicht erschrocken an.
«Kleiner Scherz», sagte Gertrud, versuchte zu lächeln und stand auf. «Ich geh dann mal packen.»


Kommentare

Ralph
2006-04-10 07:08:39

Ah ha! Der Polizeichef hat also eine Affäre mit Gertrud. Da kann ich sie gut verstehen, dass ihr dieser Fall nah geht.

Leider bringt uns diese Folge bezügliche der Tötungen (es sind ja keine Morde nehme ich an. Dafür müsste die Tat ja vorausgeplant sein. Zumindest der Tot von vdM scheint eher im Affekt deher gekommen zu sein.)nicht weiter schade.

Gruss

Columbo
2006-04-10 08:06:37

Da bin ich aber froh, dass nicht nur schmierige Privatdetektive in billigen Krimis mit dem gelegentlichen Hangover zu kämpfen haben. :)

Gertrud hat's aber auch gar nicht leicht; zuerst endet ihr (und unser) Lieblings – Verdächtiger selber als Opfer einer gar schauerlichen Tat, und dann reagiert die nächste potentielle Täterin so ganz anders, als sie täte, wenn sie's wirklich gewesen wäre.

Ich zweifle da ganz mit Gertrud; führte die Konfrontation mit den harten Fakten, zusammen mit erstmaligen "bewussten" Gedanken daran, was sie schröckliches getan hat, zum Zusammenbruch? Oder doch eher die Fakten an sich, weil Lisa VdM wirklich von nix wusste (wenigstens bezüglich der Schwangerschaft), bis Frau Kommissarin es ihr eröffnete? Die dritte Möglichkeit; nämlich dass Frau VdM den Zusammenbruch vortäuscht, um uns weis zu machen, sie hätte keine Ahnung gehabt und sei nun völlig überwältigt, ist meiner Ansicht nach eher unwahrscheinlich. Eine medizinische Untersuchung kann man nur beschränkt überlisten; und inzwischen scheint ja erwiesen zu sein, dass die trauernde Witwe noch eine Weile ausser Gefecht ist.

Als ich mir gestern die Umfrage – Resultate zu Gertrud's Osterferien nochmal angesehen habe, ging mir durch den Kopf, dass es ja ganz lustig sei, uns über ihr Ferienziel entscheiden zu lassen. Die interessantere Umfrage wäre doch aber, MIT WEM soll Gertrud nach Paris fahren? Schafft sie es, Gian hinter dem Schreibtisch hervor zu locken? Schon beim letzten Treffen war sie es, die flirtmässig in die Offensive ging. Oder doch eher Mia mitnehmen, für ein wenig Quality Time? Und wenn sie uns alle überraschen will, lässt sie sich vielleicht sogar von Mancini – ahem – einseifen :)



Hercule Poirot
2006-04-10 08:51:20

Mes chers
je voudrais
m'excuser pour mon départ éperdu. Ich hatte einfach keine Zeit mehr gefunden, euch zu orientieren. Ich glaubte auf dem Bahnhof Stadelhofen den Täter gefunden zu haben, nein, ich hatte ihn schon am Boden und in einem zünftigen Schwitzkasten festhalten können, als diese zwei kräftigen Männer in weiss daher kamen und mich in den Wagen mit der Aufschrift "Burghölzli" verfrachteten. Ich in einem Spital! Keiner der Ärzte war meinem Intellekt gewachsen. Und jetzt, Frau vdM kommt rein und diese Idioten, pardon, unsensiblen Menschen stellen mich auf die Strasse bevor ich mit ihr reden konnte! Merd!!!! (OK, in wirklichkeit weilte ich in den Skiferien. Der ganze Stress zum Voraus im Geschäft hat mir schlichweg das Schreiben verunmöglicht. In diesem Sinne: t'schuldigung).

@Ralph
Die Entwicklung in unserem Krimi gefällt mir. Aber bei den Tötungsdelikten nicht von Mord zu sprechen? Ich weiss nicht. Ich gehe schon davon aus, dass der oder die Täter/in ziemlich zielstrebig seinen/ihren Weg verfolgt und auf diesem die eine oder andere "Beseitigung" von unliebsamen Zeitgenossen in Kauf nimmt. Aber dies ist ja dann Sache der Staatsanwaltschaft.

Die Reaktion von Frau vdM erscheint mir ein bisschen heftig, so dass ich mir gar nicht sicher bin, ob die überhaubt gewusst hat dass Andrea schwanger war. Ich glaube eher nicht. Ich halte sie dadurch auch nicht für meine Hauptverdächtige Nr. 1.

Ich mächte meine lieben Mitkommentierdenen daran erinnern, dass es diese ominöse Gestalt vor dem Sozialzentrum gegeben hat, welche den seligen Christiaan van der Meer so nett den Bauch gestreichelt hat. Wer war dass? und was hatte der Streit auf sich? Und hat Mancini etwas über die Öle rausgefunden? Bleiben Sie drann wenn es wieder heisst:" Gertrud blieb irritiert auf der Piazza von Locarno stehen und schüttelte ungäubig den Kopf. Soeben glaubte sie Dr. Watson, Miss Marple, den grossen Ralph, Lucky Magenta und Hercule Poirot an sich vorbei gehen gesehen zu haben. Dass konnte nicht sein, sie hatte doch Ferien!"

Columbo
2006-04-10 09:29:44

Welcome back, scher amii Hercule!

Bin ganz deiner Meinung; dieser ominöse Besucher, der so gar nicht gut auf Christiaan VdM zu sprechen war, geht mir auch nicht aus dem Kopf. Und dann ist da noch Andrea's Bruder, der so hartnäckig unauffindbar bleibt ...

Mancini hat übrigens bezüglich der Badesubstanzen nix herausgefunden.

So, wie's aussieht, zieht's Gertrud eher nach Westen in den Osterferien. Die Frage ist jetzt eben, MIT WEM sie denn nach Paris fährt ;)

Ralph:
Ja, Gian ist gemäss offizieller Kürzest - Biographie der (Ex - ) Freund unserer Kommissarin; anscheinend so eine Art "On again, Off again" Beziehung. Wobei's mir scheint, als hätte Gertrud es im Moment lieber mehr "On again".

Der Ex – Ehemann, auf den sie so sauer ist, ist allerdings ein anderer. Ja ja, nicht nur bei den Van Der Meers gings kompliziert zu.

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